Wie ich dazu kam, einen Wollladen zu eröffnen

Ich habe schon in der Schule gestrickt, und auch während meines Studiums. Es war die Zeit, als die Grünen erstmals in den Bundestag kamen. Auch dort wurde gestrickt. Dann kam eine lange Phase, in der ich mich nicht mehr mit Handarbeiten beschäftigt habe. Job, Partys, andere Hobbys wie Figurentheater spielen und Italienisch lernen und … Männer.

2008 habe ich ein Büro in der Herzog-Wilhelm-Straße in München bezogen und was macht man in der Mittagspause? Man kann natürlich essen gehen. Kann man, muss man aber nicht. Ich bin regelmäßig, zwei bis dreimal im Monat mittags in meinen Lieblingswollladen, den „Wollkorb“ in der Sendlinger Straße, gegangen und habe mich dort an den Farben erfreut, Wolle und auch Mode gekauft und bin am Abend glücklich nach Hause gegangen.

Wie bin ich erschrocken, als mir mitgeteilt wurde, dass der Wollkorb aus Altersgründen geschlossen werden soll. Schnell war der Entschluss gefasst, den Laden zu übernehmen und natürlich habe ich es mir auch schöngeredet: München ist eine Millionenstadt, an jeder Ecke sind Fahrradläden und nur eine Hand voll Wollgeschäfte, die Lage ist für ein Fachgeschäft perfekt, kein vernünftiger Mensch kauft im Internet Wolle und so weiter…

Leider musste ich erkennen, dass die hohen Innenstadtmieten und der Personalaufwand mit den Erträgen aus dem Verkauf von Wolle nicht finanziert werden können. Corona und der zweimalige Lockdown trugen das ihre dazu bei.

Aber vorbei ist nicht vorbei. An neuem Standort und bald auch online geht es weiter. Ich hoffe, dass mein Laden auch in diesem neuen Umfeld Fuß fassen wird, und freue mich schon jetzt auf viele begeisterte und glückliche Kunden.

Ach ja … “artilea” heißt übrigens “Wolle” auf baskisch.

 

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